Ratgeber · Reifen & Fahrwerk

Abrollgeräusch: Sind es die Reifen oder das Radlager?

Ab 60 km/h brummt es, und mit jedem km/h wird es lauter. Sind es die Reifen – oder ein Radlager, das sich verabschiedet? Die Symptome ähneln sich, aber ein paar einfache Tests grenzen die Ursache ein. Eine Messung hilft dabei, vorher und nachher zu dokumentieren.

Sicherheit geht vor

Ein defektes Radlager ist sicherheitsrelevant: Im fortgeschrittenen Stadium bekommt das Rad Spiel, im Extremfall kann das Lager blockieren. Wenn du ein Radlager vermutest, lass es zeitnah in einer Werkstatt prüfen, statt es wochenlang zu beobachten. dB Ride ersetzt keine Diagnose – die App hilft dir aber, das Geräusch zu beschreiben und nach der Reparatur zu vergleichen.

Typische Symptome im Vergleich

Faustregeln zur Orientierung – im Einzelfall können sich die Symptome überschneiden.
Merkmaleher Radlagereher Reifen
Klanggleichmäßiges Brummen, Mahlen oder Heulen, wird über Wochen lauterRauschen, Dröhnen, oft rhythmisches Wummern
Tempodeutlich ab etwa 40–60 km/h, steigt mit dem Tempoebenfalls tempoabhängig
Kurven, Lastwechseländert sich spürbar, wenn das Lager be- oder entlastet wirdändert sich in Kurven kaum
Straßenbelagändert sich wenigändert sich stark mit dem Belag
Nach Reifentauschbleibt an derselben Eckewandert mit dem Reifen mit

Radlager: woran du es erkennst

Ein verschlissenes Radlager erzeugt meist ein tiefes, gleichmäßiges Brummen oder Mahlen, das mit dem Tempo lauter wird und nicht von Gas oder Bremse abhängt. Typisch ist die Veränderung in Kurven: Fährst du eine lange Kurve, wird das Lager auf der Außenseite stärker belastet. Ein defektes linkes Lager wird deshalb oft in Rechtskurven lauter – eine verbreitete Faustregel, die aber nicht immer zutrifft. Weitere Hinweise sind Vibrationen im Lenkrad oder Boden und spürbares Radspiel, wenn das Auto aufgebockt ist. Das prüft die Werkstatt.

Reifen: Sägezahn, Auswaschungen und Profil

Reifen werden lauter, wenn sie ungleichmäßig abgefahren sind. Häufig ist die Sägezahnbildung: Die Profilblöcke laufen auf einer Seite stärker ab. Streichst du mit der Hand quer über die Lauffläche, fühlst du in eine Richtung Stufen. Ursachen können Fahrwerkseinstellung, verschlissene Stoßdämpfer oder falscher Reifendruck sein. Auch Auswaschungen und Höhenschlag erzeugen ein rhythmisches Wummern. Grobe Winterprofile sind ohnehin oft lauter als Sommerreifen. Das Abrollgeräusch der Reifen ändert sich außerdem deutlich, wenn du von rauem auf glatten Asphalt wechselst.

Neben Reifen und Radlager kommen auch Antriebswellen, Differenzial, eine schleifende Bremse oder Windgeräusche infrage. Für Letztere hilft der Ratgeber Windgeräusche im Auto.

Drei Tests, die die Ursache eingrenzen

  • Belag-Test: Fahre dasselbe Tempo auf zwei unterschiedlichen Belägen. Ändert sich das Geräusch stark, spricht das für die Reifen.
  • Kurven-Test: Fahre weite Kurven in beide Richtungen bei gleichem Tempo – nur dort, wo es gefahrlos möglich ist. Wird es in einer Richtung deutlich lauter, spricht das für ein Radlager.
  • Tausch-Test: Lass die Räder von vorne nach hinten tauschen (Laufrichtung beachten) oder zieh die Winterräder auf. Wandert das Geräusch mit oder verschwindet es, waren es die Reifen. Bleibt es, rückt das Radlager in den Fokus.

Messen mit dB Ride: vorher und nachher

Ein Brummen ist schwer zu beschreiben. Eine Messung macht es greifbar – für dich und für die Werkstatt:

  1. Referenz aufnehmen

    Handy fest in der Halterung, Fenster zu, Lüftung aus. Dieselbe Strecke mit konstanten Tempi fahren, z. B. 60, 80 und 100 km/h.

  2. dB(C) zusätzlich nutzen

    Brummen ist tieffrequent. dB(C) bewertet tiefe Töne stärker als dB(A) und macht Veränderungen deutlicher.

  3. Lautstärke nach Tempo ansehen

    Die Tabelle zeigt den Durchschnittspegel je 20-km/h-Stufe. Steigt der Pegel in einer Stufe auffällig an, notiere das Tempo.

  4. Nach Reifentausch oder Reparatur wiederholen

    Gleiche Strecke, gleiche Tempi – dann beide Messungen vergleichen. Zwei Messungen sind gratis, mit Premium bis zu 8, dazu ein PDF-Bericht.

Wie du Reifen generell sauber vergleichst, steht im Ratgeber Abrollgeräusche messen.

Ehrlich gesagt:

Ein Handymikrofon ist kein geeichtes Schallpegelmessgerät. Je nach Modell können die absoluten Werte um einige dB abweichen, und sehr hohe Pegel werden nicht von jedem Gerät sauber erfasst. Für Vorher/Nachher-Vergleiche mit demselben Handy an derselben Position sind die Werte aber sehr aussagekräftig – genau dafür ist dB Ride gemacht. Hast du ein Referenzgerät, kannst du in den Einstellungen einen Kalibrier-Offset setzen. Mehr dazu: Wie genau misst das Handy?

Häufige Fragen

Wie klingt ein defektes Radlager?

Meist wie ein tiefes, gleichmäßiges Brummen oder Mahlen, das mit dem Tempo lauter wird und sich in Kurven verändert, wenn das Lager be- oder entlastet wird. Das Geräusch wird typischerweise über Wochen stärker.

Kann ich mit einem defekten Radlager weiterfahren?

Nicht dauerhaft. Ein verschlissenes Radlager ist sicherheitsrelevant und sollte zeitnah in einer Werkstatt geprüft werden. Die App ersetzt diese Prüfung nicht.

Warum ist mein Auto nach dem Reifenwechsel lauter?

Häufig, weil der andere Reifensatz ein gröberes Profil hat oder ungleichmäßig abgefahren ist. Kommt das Geräusch erst nach dem Wechsel, sind meist die Reifen die Ursache – ein Radlager wird eher schleichend lauter.

Kann dB Ride ein defektes Radlager erkennen?

Nein. Die App misst den Schallpegel und zeigt ihn nach Tempo an. Damit dokumentierst du das Geräusch und siehst, ob eine Maßnahme etwas gebracht hat. Die Diagnose gehört in die Werkstatt.

Dokumentiere das Geräusch – vorher und nachher.

dB Ride ist kostenlos für Android und iOS. Messen, Lautstärke nach Tempo, Karte und Vergleich zweier Messungen sind gratis; Premium (Einmalkauf, kein Abo) entfernt die Werbung und schaltet Export und Vergleiche mit bis zu 8 Messungen frei.

Quellen & Einordnung

  • Symptome von Radlager- und Reifengeräuschen: allgemeines Kfz-Werkstattwissen; Faustregeln zur Orientierung, keine Diagnose.
  • Sägezahnbildung und ungleichmäßiger Reifenverschleiß: typische Ursachen laut Reifen- und Fahrwerksratgebern (Fahrwerkseinstellung, Stoßdämpfer, Reifendruck).
  • Wahrnehmung von Pegelunterschieden (1 / 3 / 10 dB): allgemeine Grundlagen der Akustik.