Ratgeber · Innengeräusch

Innengeräusche im Auto: Vergleichstabelle bei 100 und 130 km/h

Wie leise ist ein Auto bei Tempo 100 – und wie laut wird es bei 130? Hier findest du typische Innengeräusche nach Fahrzeugklasse, veröffentlichte Messwerte aus Fachmagazinen und eine Anleitung, wie du dein eigenes Auto mit dem Handy misst.

58–63 dBdie 30 leisesten Autos bei 100 km/h im AUTO-BILD-Ranking (2012)
61 dB(A)leisestes Auto bei 70 mph (≈ 113 km/h) in der Liste von Car and Driver (2025)
+3 dBdoppelte Schallenergie – deutlich hörbar

Innengeräusch nach Fahrzeugklasse: typische Spannbreiten

Wie laut es im Innenraum ist, hängt vor allem von Tempo, Fahrzeugklasse, Reifen und Straßenbelag ab. Die Tabelle zeigt grobe Richtwerte in dB(A), wie sie sich aus Innengeräuschmessungen der Autofachpresse ergeben. Sie ersetzt keine Einzelmessung: Innerhalb einer Klasse liegen leise und laute Modelle oft mehrere dB auseinander.

Typische Spannbreite, Richtwert – keine Messwerte einzelner Modelle. Einzelne Fahrzeuge liegen auch darüber oder darunter.
Fahrzeugklassebei 100 km/hbei 130 km/hTypisch
Oberklasse, Luxus-SUVca. 58–63 dB(A)ca. 62–67 dB(A)viel Dämmung, oft Akustikglas
Mittelklasse, Kombi, SUV, Vanca. 61–66 dB(A)ca. 65–70 dB(A)große Unterschiede je nach Reifen
Kompaktklasseca. 63–68 dB(A)ca. 67–72 dB(A)Wind wird ab 120 km/h dominant
Kleinwagenca. 65–70 dB(A)ca. 69–74 dB(A)weniger Dämmung, kurze Übersetzung
Cabrio mit Stoffdach, Geländewagen, Kastenwagenca. 66–72 dB(A)ca. 70–76 dB(A)Dach, Stirnfläche, grobe Reifen
E-Autoähnlich wie Verbrenner der gleichen Klassekein Motorgeräusch – Wind und Reifen fallen stärker auf

Von 100 auf 130 km/h steigt der Pegel meist um etwa 4 bis 6 dB – vor allem, weil Windgeräusche mit dem Tempo steiler zunehmen als das Abrollgeräusch. Warum das so ist und wie du Quellen trennst, erklärt der Ratgeber Windgeräusche im Auto.

Veröffentlichte Messwerte aus Fachmagazinen

Fachmagazine messen das Innengeräusch einzelner Modelle mit professionellen Schallpegelmessern. Zwei frei zugängliche Beispiele:

AUTO BILD hat 2012 die Innengeräusche von über 900 zwischen 2010 und 2012 getesteten Modellen ausgewertet, gemessen bei 50, 100, 130 und – wo möglich – 160 km/h. Die 30 leisesten Autos lagen bei 100 km/h zwischen 58 und 63 dB, bei 130 km/h zwischen 62 und 71 dB. Am leisesten war ein BMW 730d mit 58 dB bei 100 und 62 dB bei 130 km/h. Die Modelle sind über zehn Jahre alt, die Größenordnung hilft aber beim Einordnen.

Das US-Magazin Car and Driver misst in jedem Test den Pegel bei konstant 70 mph, also rund 113 km/h. Die leisesten Fahrzeuge aus seiner 2025 veröffentlichten Liste:

Pegel bei konstant 70 mph (≈ 113 km/h) laut Car and Driver – die leisesten dort getesteten Fahrzeuge, kein Durchschnitt.
Fahrzeug (Modelljahr)Pegel
Bentley Bentayga V-8 (2019)61 dB(A)
Rolls-Royce Cullinan (2019)62 dB(A)
Audi e-tron Sportback (2020, elektrisch)63 dB(A)
BMW iX xDrive50 (2022, elektrisch)63 dB(A)
Rolls-Royce Spectre (2024, elektrisch)63 dB(A)
Ford F-150 Lariat PowerBoost (2021)64 dB(A)
Chevrolet Equinox EV 2LT AWD (2024, elektrisch)65 dB(A)
Subaru Ascent Touring (2019)65 dB(A)
Honda Odyssey Elite (2025)66 dB(A)
Mazda CX-5 (2020)66 dB(A)
Buick Encore GX (2020)67 dB(A)

Quelle: Car and Driver, „Bentley Bentayga, BMW iX Among the Quietest Cars We've Tested“, Caleb Miller, 24.03.2025 – Fassung auf Yahoo Autos. Laut Artikel gemessen mit einem Klasse-1-Schallpegelmesser von Brüel & Kjær bei konstant 70 mph, alle Fahrzeuge auf derselben Geraden des Testgeländes in Chelsea (Michigan). Die Messposition im Innenraum nennt der Artikel nicht.

Warum Werte verschiedener Quellen nur eingeschränkt vergleichbar sind

Ein Auto mit 64 dB in einem Test ist nicht automatisch lauter als eines mit 63 dB aus einem anderen. Car and Driver wertet für seine Liste sogar nur Messungen von einer Teststrecke aus, weil die glattere Strecke in Kalifornien fast immer niedrigere Werte liefert. Unterschiede entstehen unter anderem durch:

  • Messposition: Kopfhöhe Fahrer, Beifahrer oder Rücksitz.
  • Strecke und Belag: Rauer Asphalt kann mehr ausmachen als die Fahrzeugklasse.
  • Reifen: Sommer oder Winter, Größe, Verschleiß – siehe Abrollgeräusche messen.
  • Wetter: Gegenwind und nasse Fahrbahn erhöhen den Pegel deutlich.
  • Auswertung: Mittelwert über eine Strecke oder Maximalwert, dB(A) oder ungewichtet.

Am aussagekräftigsten ist deshalb ein Vergleich, bei dem du alles selbst konstant hältst.

So misst du dein eigenes Auto

  1. Gleiche Strecke wählen

    Ein Abschnitt mit einheitlichem Belag und wenig Verkehr, auf dem du das Tempo legal und sicher halten kannst. Immer dieselbe Strecke, am besten in beide Richtungen.

  2. Fenster zu, Lüftung aus

    Auch Gebläse und Radio aus, nicht sprechen. Trockene Fahrbahn, möglichst wenig Wind.

  3. Handy fix auf Kopfhöhe Beifahrer

    In einer Halterung oder an der Kopfstütze, Mikrofon frei. So misst du ungefähr dort, wo die Ohren sind – und bei jeder Messung an derselben Stelle.

  4. A-Bewertung einstellen

    In den Einstellungen dB(A) wählen – damit sind deine Werte grob mit Testangaben vergleichbar.

  5. Tempo konstant halten

    Tempomat nutzen. „Lautstärke nach Tempo“ zeigt den Durchschnittspegel je 20-km/h-Stufe, z. B. 100–120 und 120–140 km/h. Fahre für die erste Stufe also eher 105–110 km/h nach GPS – der Tacho zeigt meist etwas mehr an.

  6. Mehrere Durchläufe vergleichen

    Mindestens drei Läufe, dann die Werte nebeneinanderlegen. Zwei Messungen vergleichst du gratis, mit Premium bis zu 8 – inklusive CSV- und PDF-Export.

Auswertung in dB Ride: Verlauf von Pegel und Tempo sowie Tabelle Lautstärke nach Geschwindigkeit
„Lautstärke nach Tempo“: der Durchschnittspegel je 20-km/h-Stufe – so liest du deinen Wert bei 100 und 130 km/h ab.
Ehrlich gesagt:

Ein Handymikrofon ist kein geeichtes Schallpegelmessgerät. Je nach Modell können die absoluten Werte um einige dB abweichen, und sehr hohe Pegel werden nicht von jedem Gerät sauber erfasst. Für Vorher/Nachher-Vergleiche mit demselben Handy an derselben Position sind die Werte aber sehr aussagekräftig – genau dafür ist dB Ride gemacht. Hast du ein Referenzgerät, kannst du in den Einstellungen einen Kalibrier-Offset setzen. Mehr dazu: Wie genau misst das Handy?

Häufige Fragen

Wie laut ist ein Auto bei 130 km/h innen?

Bei den meisten Pkw grob 65–75 dB(A). Sehr leise Oberklassefahrzeuge liegen auch darunter, Kleinwagen, Cabrios und Geländewagen eher am oberen Ende. Reifen und Straßenbelag verschieben den Wert um mehrere dB.

Sind E-Autos innen leiser?

Bei Stadttempo meist ja, weil das Motorgeräusch fehlt. Bei Autobahntempo dominieren Wind und Reifen, dort liegen E-Autos ähnlich wie Verbrenner ihrer Klasse. In der Car-and-Driver-Liste der leisesten Autos stehen aber mehrere Elektroautos weit oben.

Kann ich meine Messung mit Werten aus Autotests vergleichen?

Nur grob. Messposition, Strecke, Reifen und Auswertung unterscheiden sich. Aussagekräftig sind vor allem Vergleiche mit demselben Handy an derselben Position, etwa vor und nach einem Reifenwechsel.

Wie viel leiser macht ein anderer Reifensatz?

Im Innenraum oft wenige dB – schon 3 dB entsprechen der halben Schallenergie. Wie du das sauber misst, steht im Ratgeber Abrollgeräusche messen.

Wie leise ist dein Auto? Miss nach.

dB Ride ist kostenlos für Android und iOS. Messen, Lautstärke nach Tempo, Karte und Vergleich zweier Messungen sind gratis; Premium (Einmalkauf, kein Abo) entfernt die Werbung und schaltet Export und Vergleiche mit bis zu 8 Messungen frei.

Quellen & Einordnung

  • AUTO BILD, „Ranking: Innengeräusche“, 15.02.2012 – autobild.de. Werte in dB ohne Angabe der Gewichtung; Messposition nicht genannt.
  • Car and Driver, „Bentley Bentayga, BMW iX Among the Quietest Cars We've Tested“, Caleb Miller, 24.03.2025 – Fassung auf Yahoo Autos. Messung bei konstant 70 mph mit Klasse-1-Schallpegelmesser, Teststrecke Chelsea (Michigan).
  • Spannbreiten nach Fahrzeugklasse: Richtwerte, abgeleitet aus Innengeräuschmessungen der Autofachpresse (z. B. auto motor und sport, AUTO BILD); keine Messwerte einzelner Modelle.
  • Wahrnehmung von Pegelunterschieden (1 / 3 / 10 dB): allgemeine Grundlagen der Akustik.