Wie laut ist es unter dem Helm?
In den Helmtests des ADAC lagen die gemessenen Pegel bei 100 km/h je nach Helm grob zwischen 84 und 95 dB(A). Das Windgeräusch steigt mit dem Tempo stark an; auf der Autobahn wird es also noch lauter. Zum Vergleich: Im Arbeitsschutz gilt ein Tages-Lärmexpositionspegel von 85 dB(A) als oberer Auslösewert, ab dem Gehörschutz getragen werden muss. Dieser Wert bezieht sich auf einen ganzen Arbeitstag – aber er zeigt die Größenordnung.
Weil der Pegel logarithmisch ist, macht jeder dB viel aus: Nach dem Prinzip gleicher Schallenergie halbiert sich mit jeden 3 dB die Dauer, die als vergleichbar belastend gilt. Eine längere Tour bei hohen Pegeln kann also schnell mehr Lärm bedeuten als ein ganzer Arbeitstag in einer lauten Halle. Gehörschäden durch Lärm entstehen schleichend und sind nicht heilbar; Tinnitus ist ein häufiges Warnsignal.
Was die Lautstärke unter dem Helm beeinflusst
- Helm und Passform: Ein zu großer Helm oder offene Bereiche am Hals und Kinn lassen Verwirbelungen herein. Wangenpolster, Kinnspoiler und Nackenrolle machen viel aus.
- Visier und Belüftung: Dichtung des Visiers, geöffnete Lüftungsöffnungen und Anbauteile pfeifen oder rauschen.
- Windschild: Ein Windschild kann den Helm beruhigen oder – in der falschen Höhe – genau auf Helmhöhe Turbulenzen erzeugen.
- Motorrad und Sitzposition: Naked Bike, Tourer, Supersportler und deine Körpergröße verändern den Luftstrom komplett.
- Kleidung: Halstuch oder Windstopper am Kragen dämpft Geräusche von unten.
- Tempo: Der wichtigste Faktor. Die Kurve „Lautstärke nach Tempo“ zeigt dir, ab wann es kritisch wird.
Viele Fahrer nutzen deshalb Gehörschutz, etwa Schaumstoffstöpsel oder angepasste Otoplastiken. Achte darauf, dass du Verkehrsgeräusche und Signale weiterhin wahrnimmst, und informiere dich über die Regeln in deinem Land.
Selbst messen – aber richtig
Hier ist Ehrlichkeit wichtig: Wo das Mikrofon sitzt, bestimmt, was du misst. Ein Handy in der Halterung am Lenker oder im Tankrucksack misst den Lärm an dieser Stelle – nicht an deinem Ohr. Damit kannst du gut vergleichen, was den Luftstrom insgesamt verändert, etwa Windschild hoch gegen Windschild runter, Motorrad A gegen B oder verschiedene Tempi.
Für einen echten Helm-gegen-Helm-Vergleich muss das Mikrofon in den Helm, möglichst nah ans Ohr. Ein Handy hat dort nichts zu suchen. Eine Möglichkeit ist ein kabelgebundenes Headset-Mikrofon im Helm, sofern dein Handy es als Eingang nutzt – prüfe das vorher im Stand, indem du ins Headset sprichst und schaust, ob der Pegel reagiert. Beachte außerdem: Sehr hohe Pegel um 90 dB und mehr erfasst nicht jedes Handymikrofon sauber. Relative Vergleiche bleiben sinnvoll, absolute Werte solltest du mit Vorsicht lesen.
Schritt für Schritt mit dB Ride
Mikrofonposition festlegen
Halterung, Tankrucksack oder Headset im Helm – und bei allen Messungen exakt gleich lassen.
Sprachansage einschalten
Die App sagt die Werte an, z. B. über dein Intercom. Du musst während der Fahrt nicht aufs Display schauen.
Im Stand starten
Aufnahme starten, Handschuhe an, losfahren. Bedienung nur im Stand.
Konstante Tempi fahren
Eine Strecke, auf der du gefahrlos z. B. 80, 100 und 120 km/h halten kannst, möglichst bei wenig Seitenwind.
Variante wechseln und wiederholen
Scheibe verstellen, Helm wechseln, Lüftung schließen – immer nur eine Sache. Danach vergleichst du die Läufe nebeneinander; „Lautstärke nach Tempo“ zeigt die Unterschiede je Geschwindigkeitsbereich.
Eine Übersicht, wie laut 85, 100 oder 120 dB im Alltag sind, findest du in der Dezibel-Tabelle.
Ein Handymikrofon ist kein geeichtes Schallpegelmessgerät. Je nach Modell können die absoluten Werte um einige dB abweichen, und sehr hohe Pegel werden nicht von jedem Gerät sauber erfasst. Für Vorher/Nachher-Vergleiche mit demselben Handy an derselben Position sind die Werte aber sehr aussagekräftig – genau dafür ist dB Ride gemacht. Hast du ein Referenzgerät, kannst du in den Einstellungen einen Kalibrier-Offset setzen. Mehr dazu: Wie genau misst das Handy?
Häufige Fragen
Wie laut ist es unter einem Motorradhelm?
In ADAC-Helmtests lagen die Pegel bei 100 km/h je nach Helm grob zwischen 84 und 95 dB(A). Bei höherem Tempo wird es deutlich lauter, weil das Windgeräusch stark mit der Geschwindigkeit steigt.
Ab wann schadet Lärm dem Gehör?
Im Arbeitsschutz gelten 80 und 85 dB(A) als Auslösewerte, bezogen auf einen 8-Stunden-Tag. Pro 3 dB mehr halbiert sich die vergleichbare Dauer. Bei den Pegeln unter dem Helm ist diese Grenze auf längeren Fahrten schnell erreicht – Gehörschutz ist deshalb eine gute Idee.
Welcher Motorradhelm ist am leisesten?
Das hängt stark von Passform, Motorrad und Sitzposition ab – ein Helm, der im Test leise war, kann auf deinem Bike lauter sein. Helmtests geben eine Orientierung; die eigene Messung zeigt, wie es bei dir aussieht.
Kann ich mit dem Handy im Helm messen?
Das Handy selbst gehört nicht in den Helm. Für Helmvergleiche eignet sich ein kabelgebundenes Headset-Mikrofon im Helm, sofern dein Handy es als Eingang verwendet. Mit dem Handy in der Halterung vergleichst du gut Windschild, Motorrad oder Tempo.
Miss selbst nach – statt zu raten.
dB Ride ist kostenlos für Android und iOS. Messen, Lautstärke nach Tempo, Karte und Vergleich zweier Messungen sind gratis; Premium (Einmalkauf, kein Abo) entfernt die Werbung und schaltet Export und große Vergleiche frei.
Quellen & Einordnung
- ADAC, Motorradhelm-Tests (Geräuschmessung bei 100 km/h): Spannbreite ca. 84–95 dB(A) je nach Helm.
- Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung, § 6 Auslösewerte (80 / 85 dB(A)) – gesetze-im-internet.de
- Prinzip gleicher Schallenergie (3-dB-Austauschrate), z. B. NIOSH, Criteria for a Recommended Standard: Occupational Noise Exposure (1998).
- Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine medizinische Beratung.